Wohin mit dem Geld?

Wohin mit dem Geld?

(31.07.2016) Finanzmarktprognosen sind nachweisbar noch unzuverlässiger als Wirtschaftsprognosen, so dass sich daraus keine vernünftige Anlagestrategie herleiten lässt. Alle öffentlich verfügbaren Informationen sind bereits in den Preisen enthalten, zusätzlich auch die Erwartungen aller Marktteilnehmer hinsichtlich der künftigen Entwicklung. So werden auch künftig die Anlageergebnisse von Faktoren bestimmt, die wir heute noch gar nicht kennen. Langfristig werden die Anlageergebnisse jedoch von Faktoren bestimmt, die uns allen bekannt sind, nämlich dem Zins (Anleihen) und den Unternehmensgewinnen (Aktien). Der Versuch eines Blicks nach vorn:

Die meisten Anleger haben sich mit der neuen Normalität bereits arrangiert: Klassische Geldanlagen wie Tagesgelder, Termingelder oder Sparbriefe verzinsen sich mit einer Null vor dem Komma, seit Mitte 2015 vielfach sogar nach dem Komma. Die wenig tröstliche Botschaft bereits an dieser Stelle lautet: Das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben (müssen)! Womit wir bei den („schönen“) Aussichten der Jahre 2016 und Folgende wären:

 

Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Fremdwährungsanleihen mit moderaten Risiken und akzeptablen Laufzeiten sollten etwa 1,5% Rendite ermöglichen.

Die globalen Aktienmärkte sind aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 16 bewertet, woraus sich eine Gewinnrendite von 6,5% ergibt, die natürlich großen Schwankungen unterworfen ist und weiter bleiben wird.

Bilden wir hier ein Mischportfolio, kommen wir auf eine Renditeerwartung von 4,0%. Nach Abzug von unterstellten Kosten in Höhe von 1,5% bleiben netto 2,5%.

Schenken wir der offiziellen Inflationsstatistik Glauben, müssen wir davon nochmals 0,5% abziehen und landen bei einer Renditeprognose von 2,0% nach Kosten und Inflation. Schöne Aussichten.

Wenn wir nun neben den Renditeaussichten noch die Risikoerwartung berücksichtigen und dabei eine historische Schwankungsbreite (Volatilität) von 12 unterstellen, kommen wir auf Renditeaussichten, die zwischen -10% und +14% liegen werden und im Mittel bei den oben festgestellten +2,0%.

Wer sich jetzt verwundert die Augen reibt und sich fragt, ob es sich lohnt, für eine bescheidene Renditeerwartung von 2,0% zwischenzeitliche Verluste von 10% zu ertragen, dem sei hier nochmal die Alternative vor Augen geführt:

Die Alternative der hier beschriebenen „unsicheren“ Rendite von 2,0% besteht in der „sicheren“ Rendite von minus (!) 0,5% bei den klassischen Geldanlagen. Auf den ersten Blick erscheint die „sichere“ Alternative verlockend, denn immerhin sind 1.000€ nach einem Jahr so noch 995€ wert. Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) jedoch Ihr Inflationsziel von 2%p.a. erreichen, wären die gleichen 1.000€ nach 10 Jahren nur noch 817€ wert. Schöne Aussichten. Die „unsichere“ Alternative erhält also erst auf den zweiten Blick ihren Charme, denn immerhin vermehren sich die gleichen 1.000€ in den gleichen 10 Jahren so auf 1.280€. Bessere Aussichten.

Fazit: 2016 wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das erste von noch vielen folgenden Jahren seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland, in dem klassische „sichere“ Geldanlagen zu einem „sicheren“ Wertverlust führen werden. Wer sein Kapital erhalten und vielleicht sogar mehren möchte, muss (moderate) Risiken tragen und aushalten. Das Risiko besteht in erster Linie darin, die Schwankungen der Aktienquote im Portfolio auszuhalten. Diese Quote sollte immer bei mindestens 25%, besser bei 50% und bei ausreichend langem Anlagehorizont gar bei 75% liegen. Wer das nicht möchte, muss sich wohl oder übel mit der schleichenden Entwertung seines Geldvermögens arrangieren.

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