Wieviel Risiko darf es sein?

Wieviel Risiko darf es sein?

(28.06.2018) Eine neue Risikokennzahl mit der sperrigen Bezeichnung „Synthetischer-Risiko-Rendite-Indikator“, kurz „SRRI“, ist der neue Standard zur Klassifizierung und Vergleichbarkeit von Investmentfonds nach ihrem Risikogehalt. Welchen Nutzwert hat diese Kennzahl aus Anlegersicht?

Die Einordnung von Investmentfonds nach dem sogenannten „Synthetic Risk Reward Indicator“ (Synthetischer Risiko-Rendite-Indikator) ist schon seit vielen Jahren vorgeschrieben und Bestandteil der „wesentlichen Anlegerinformation“ zu jedem Investmentfonds. Anleger sollen so auf einen Blick erkennen können, wieviel Risiko sie mit Ihrer Anlage eingehen. So sollen sie erkennen können, ob die Geldanlage zu ihrer Risikobereitschaft passt.

Der SRRI bedient sich der historischen Volatilität, also Schwankungsbreite der Anlageergebnisse der letzten 5 Jahre.

Genau das ist aber auch der zentrale Kritikpunkt: SRRI schaut in den Rückspiegel, was bei Geradeausfahrten im Automobil eben auch wenig empfehlenswert ist. Anders ausgedrückt: Historische Risiken helfen wenig, um das prospektive Risiko zu erkennen, dafür brauchen wir andere Kontrollsysteme.

Die Anbieter müssen jeden ihrer Fonds in eine der 7 SRRI-Klassen einordnen. Die Klassen kennzeichnen jeweils eine Bandbreite, innerhalb derer sich der Wert eines Fonds in der Vergangenheit nach oben und unten entwickelt hat. Je geringer die Schwankungen, desto niedriger die Risikoklasse. Mit zunehmender SRRI-Stufe wachsen dagegen die historischen Kursbewegungen und damit auch das Risiko. Volatilität ist zwar nicht gleich Risiko, gilt aber als wichtiger Indikator.

Fraglich ist hier ebenfalls, ob Volatilität überhaupt das richtige Messinstrument ist. Anleger mit einem sehr langen Anlagehorizont können kurzfristigen Schwankungen schlicht aussitzen. Das viel relevantere Risiko der Anleger ist doch heute das Risiko des dauerhaften Kapitalverlusts oder das Risiko, die Anlageziele nicht erreichen zu können, weil das nötige Ertragsniveau verfehlt wird. Bundesanleihen werden beispielsweise nach SRRI als nahezu risikofrei deklariert. Im aktuellen Marktumfeld würde ein Anleger in diesen Instrumenten nominal etwa minus 0,5%, real unter Berücksichtigung der Inflation etwa minus 2,5% erzielen und beträchtliche Risiken für seine Anlageziele eingehen. Außerdem berücksichtigt der SRRI den Portfoliogedanken nicht. Ein Anlageinstrument in Kategorie 6 oder 7 mag für sich betrachtet risikoreicher sein, kann jedoch in einem gut diversifizierten Gesamtportfolio durchaus risikomindernd wirken, wenn es gegenüber den anderen Bestandteilen vorteilhafte Korrelationseigenschaften aufweist.

Fazit: Der SRRI ist nicht perfekt, aber wohl der bestmögliche standardisierte Ansatz, den man für einen Vergleich ähnlicher Fonds heranziehen kann. Ein Anleger sollte sich bewusst machen, was er leisten kann und was nicht. Grundsätzlich ist der SRRI eine Grundlage, mit der Anleger den Risikogehalt für das Gesamtvermögen oder einzelne Bausteine kontrollieren kann.

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