Rendite, Risiko und Realität

Rendite, Risiko und Realität

(28.11.2018) Welche Erträge dürfen Anleger in den kommenden Jahren erwarten? Die traurige aber realistische Wahrheit lautet: Schone der reale Kapitalerhalt wird in den nächsten Jahren eine sportliche Herausforderung sein!

Mein Geld, mein Tagesgeldkonto

Der eine oder andere interessierte Anleger wird geneigt sein, einfach mit den Schultern zu zucken und zu fragen, was denn nun das Neue sei an dieser Botschaft. Immerhin haben wir uns seit nunmehr über 3 Jahren daran gewöhnen können, dass unser Tagesgeldkonto nahe der Nulllinie verzinst wird. Hauptsache keine Verluste! Keine Verluste? Vor gut 3 Jahren bewegte sich die Inflation ebenfalls nahe der Nulllinie. Real wurde also nicht gewonnen und nichts verloren. Diese Zeiten sind nun vorbei!

Inflation! Welche Inflation?

Im Oktober 2018 kletterte die offizielle Inflationsrate auf 2,5%. Das ist neu! Und es bedeutet, dass Anleger in den nächsten 10 Jahren ein Viertel ihrer Kaufkraft auf ihren Tagesgeldkonten einbüßen werden. Dafür aber sicher. Die Alternative ist unsicher. Unsicherheit mögen wir nicht, daher schlummern auch weiterhin fast 3 Billionen Euro deutscher Anlegergelder auf kaum oder gar nicht verzinsten Tagesgeldkonten. Unsicherheit heißt aber eben auch, dass gesunde Aussichten darauf bestehen, die Kaufkraft meiner Rücklagen in den nächsten 10 Jahren mindestens zu erhalten, vielleicht sogar leicht zu mehren.

Realistische Renditeerwartungen

Bei einer Aktiengewinnrendite von rund 7% und einer durchschnittlichen Anleihenrendite von 2% liegt die Bruttorendite eines typischen Mischportfolios aktuell bei rund 4,5%, abzüglich durchschnittlicher Kosten von rund 1,5% kommen wir immerhin noch auf eine Renditeaussicht von 3,0%. Unsicher! Dafür sicher höher als die Inflationsrate, so dass die Minimalanforderung eines jeden Anlegers – das ist der reale Kapitalerhalt – erfüllt werden kann.

Risiko? Bloß nicht!

Hätte man auf der Straße 10 Personen nach ihren Renditeerwartungen an ein Mischportfolio gefragt, das zur Hälfte aus Aktien besteht, die Zahl wäre vermutlich deutlich größer gewesen als die hier beschriebenen 3,0%. Weil es in der Vergangenheit auch so war. Die Vergangenheit ist aber kein verlässlicher Indikator für die künftige Renditeentwicklung. Schon gar nicht die vergangenen 10 Jahre. Eines jedenfalls steht meines Erachtens fest: Anleger, die langfristig auskömmliche Renditen erzielen wollen, kommen nicht umhin, einen signifikanten Anteil ihres Vermögens in Aktien zu investieren und die damit verbundenen Kursschwankungen zu akzeptieren. Ohne geht es heute leider nicht mehr. Das große Problem ist, dass die meisten Anleger in Europa, insbesondere in Deutschland, noch immer weit von einer Aktienquote, die annähernd der aus meinem Beispiel entspricht, entfernt sind. Sehr weit sogar. Was das aktuelle Umfeld für die Renditeerwartungen eines Anlegers bedeutet, der nur zehn oder zwanzig Prozent seines Vermögens in Aktien investiert hat, lässt sich unschwer erkennen: Sie sollten nicht in den Himmel wachsen.

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