Die zehn größten Fehler in der privaten Geldanlage

Die zehn größten Fehler in der privaten Geldanlage

(08.12.2016) Aktien, Anleihen, Immobilien, Gold: Es gibt viele Möglichkeiten, sein Geld anzulegen. Wer jedoch nicht aufpasst, erlebt keine Geldvermehrung, sondern ein Fiasko. Wo lauern die zehn größten Fallen?

  1. Guter Rat kostet nichts

 

Anlageberater werden in Deutschland üblicherweise durch die Provisionen bezahlt, die sie von den Anbietern der verkauften Geldanlageprodukte erhalten. Das erzeugt bei den Anlegern die Illusion einer kostenlosen Beratung. Doch die vermeintliche Gratisberatung ist letztlich die entscheidende Ursache, warum eine sinnvolle Risikostreuung des Vermögens häufig nicht einmal ansatzweise vorhanden ist. Der Mann oder die Frau auf der anderen Seite des Schalters oder Schreibtischs befindet sich in einem klassischen Interessenkonflikt: Berät er oder sie den Kunden und hat dabei immer die Ausgewogenheit seines Vermögens im Blick – oder steht das eigene Wohlergehen im Vordergrund? Ein gesundes Misstrauen gegenüber dem Anlageberater, der von der Provision lebt, ist schon einmal ein guter Anfang.

 

  1. Kaufen, wenn alle kaufen

 

Ausgerechnet im Umgang mit dem eigenen Geld kommt regelmäßig der Herdentrieb des Menschen zum Tragen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich. Liegt man bei der Entscheidung, in welche Kanäle größere Beträge fließen sollen, daneben, können die Folgen sehr unangenehm sein. Wenn die Entscheidung also herangerückt ist, bietet die Herde eine vermeintliche Sicherheit. Leider gibt es einige bekannte Börsensprüche, die das Herdenverhalten fördern. „Greife nie in ein fallendes Messer“, lautet eine dieser eher grenzwertigen Regeln. Selbstverständlich weiß niemand, auf welchem Niveau sich in einer Baisse ein Aktienkurs wieder stabilisiert. Darauf spielt der Spruch auch an. Doch wenn sich alle Marktteilnehmer daran hielten, wäre in jedem Abwärtstrend ein Preis von null der Boden, von dem aus wieder eine Kurserholung stattfinden kann. Einkaufen zu Angebotspreisen bei geringer Nachfrage, verkaufen zu Knappheitspreisen bei hoher Nachfrage – das ist die Kunst.

 

  1. Kaufen und halten

 

André Kostolany war als ein Altmeister der Börse nicht zuletzt für seinen Ausspruch bekannt, man solle doch eine Aktie nach dem Kauf einfach im Depot liegen lassen und sich schlafen legen, um sich dann in ferner Zukunft über kräftige Kursgewinne zu freuen. Allerdings stammt der Ausspruch aus einer Zeit, als der deutsche Aktienmarkt schon für Aufregung sorgte, sobald sich der Leitindex nur um 0,5 Prozent nach oben oder unten bewegte. Die Umstände haben sich seither gravierend verändert. Inzwischen sind die Kurse an den Aktienmärkten wesentlich schwankungsanfälliger als zu Kostolanys Zeiten. Bewegt sich heutzutage der Dax um 0,5 Prozent, gilt das schon als ruhiger Handelstag. Eine Börsennotierung ist kein Ausweis für Unverletzlichkeit. Mittlerweile ist es sogar schon gefährlich, ein Wertpapier einfach ins Depot zu legen und danach über Jahre nicht mehr anzuschauen. Viele Anleger haben in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass dieses Vorgehen kein kleines Vermögen einbringt, sondern dass sich stattdessen eine Menge Depotleichen ansammeln können.

 

  1. Alles auf ein Pferd setzen

 

Risikobegrenzung bedeutet Risikostreuung – dieser einfache Grundsatz wird regelmäßig missachtet. Dabei sind die Stellschrauben durchaus übersichtlich angeordnet. Zur Verfügung stehen die klassischen Anlageformen Aktien, Anleihen und Liquidität. Auch professionelle Vermögensverwalter machen häufig nicht viel mehr, als das Geld ihrer Kunden zwischen diesen drei Polen hin und her zu schieben. Hinzu kommen vielleicht noch Immobilien – direkt in Häusern oder indirekt über Fonds gehalten. Auch Rohstoffe erfreuen sich als alternative Geldanlageform zunehmender Beliebtheit. Die Kunst der Risikostreuung in der Vermögensanlage besteht darin, zunächst die richtige Mischung aus den unterschiedlichen Anlageformen zu finden. Was Anleger dazu allerdings unbedingt brauchen, ist eine eigene Meinung, in welche Richtung sich der Markt kurz-, mittel- oder langfristig bewegen dürfte und wie hoch eigentlich die eigene Risikobereitschaft ist. Gerade diese wichtigen Entscheidungen werden im Normalfall dem netten Bankberater überlassen – leider zu oft mit dem Ergebnis, dass dem Kunden einfach ins Depot gelegt wird, was gerade den Massengeschmack trifft.

 

  1. Hauptsache, Steuern sparen

 

Für viele Anleger besitzt das Wort „steuergünstig“ eine unwiderstehliche Anziehungskraft. Steuerzahlungen zu vermeiden – das ist der wesentliche Innovationstreiber in der privaten Geldanlage. Insgesamt betrachtet, haben sich Steuervermeidungsstrategien aber nur in wenigen Fällen als Segen für den Erhalt beziehungsweise die Vermehrung eines Vermögens herausgestellt. Meist dienen sie nur als Feigenblatt, damit sich ein Anleger das ihm dargebotene Finanzprodukt nicht allzu genau ansieht und dabei womöglich die mangelhafte Qualität oder die viel zu teure Gebührenstruktur durchschauen könnte. Anleger machen keinen Fehler, wenn sie die unterschiedlichen Steuerregeln erst einmal ausblenden. Steuervorteile sollten immer nur als nette Zugabe angesehen werden und niemals der ausschlaggebende Punkt für eine Anlageentscheidung sein.

 

  1. Gewinner von gestern

 

Anlageergebnisse aus der Vergangenheit bieten einen gewissen Halt. Dieses Gefühl der Sicherheit ist jedoch trügerisch. Es widerspricht der Natur der Finanzmärkte, Ergebnisse aus der Vergangenheit linear in die Zukunft fortschreiben zu können. Die Märkte bewegen sich in Zyklen, die mal länger und mal kürzer ausfallen. Die besten Ergebnisse der jeweiligen Favoriten stehen logischerweise am Ende eines Zyklus. Wenn also zum Beispiel einzelne Investmentfonds in Ranglisten ganz vorn auftauchen, ist die Aufwärtsbewegung der Märkte, in denen sie unterwegs sind, zum großen Teil schon vorüber. Letztlich hat sich das Prinzip bewährt, von den großen Gewinnern der jüngeren Vergangenheit die Finger zu lassen. Kontinuierliche Anlageergebnisse über dem Durchschnitt sind höher zu schätzen als Spitzenplätze in Wettbewerbsvergleichen.

 

  1. Auf Schnäppchenjagd gehen

 

Billig kaufen, teuer verkaufen – auf mehr kommt es in der Geldanlage eigentlich nicht an. Doch es ist alles andere als leicht, die wirklich günstigen Angebote zu erkennen. Zum Beispiel wäre es grob fahrlässig, sich in der Aktienanlage ausschließlich auf gängige Kennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder die Dividendenrendite zu verlassen. Wenn eine Aktie besonders billig erscheint, sollte man sich vielmehr auf die Suche nach den Ursachen begeben, aus denen sich die Zurückhaltung professioneller Anleger möglicherweise speist. Wer gutgläubig in einen Titel marschiert, steht hinterher meist mit leeren Händen da. Anleger sollten niemals aus den Augen verlieren, dass so mancher Aktientipp nicht ganz uneigennützig gegeben wird. Wenn sich jemand ungewöhnlich heftig für einen Einzelwert ins Zeug legt, ist auf jeden Fall Skepsis angebracht. Möglicherweise hat derjenige eine größere Position dieses Wertpapiers schon in seinem Besitz – und braucht nun eine entsprechend große Nachfrage, um den Titel zu einem hohen Kurs verkaufen zu können.

 

  1. Eigener Herd ist Goldes wert

 

Nüchtern betrachtet, ist das Eigenheim inzwischen mehr Konsum und weniger Kapitalanlage. In Eigenheimen sind Sonderausstattungen an der Tagesordnung. Es spricht nichts gegen teure Fliesen, technische Raffinessen, die Traumküche oder den ausgebauten Keller mit Heimkino oder Fitnessraum. Dies wird beim Verkauf jedoch selten honoriert. Grundsätzlich sollte man heutzutage nicht mehr von einer Wertsteigerung der Immobilie ausgehen. Die Lage war, ist und bleibt die entscheidende Größe für die Werthaltigkeit. Daneben hat noch der Bedarf einen wesentlichen Einfluss. Ballungsgebiete profitieren derzeit immer mehr vom Zuzug von Arbeitskräften. In den anderen Gegenden dagegen geht die Nachfrage beständig zurück. Das Mieten einer Wohnung und Immobilienbesitz als Kapitalanlage macht, rein rational betrachtet, den meisten Sinn.

 

  1. Auf Modewellen mitreiten

 

Um an das Geld ihrer potentiellen Kunden zu kommen, müssen die Anbieter von Anlageprodukten permanent gute Ideen produzieren. Ansonsten gehen ihre Produkte in der Überfülle des Angebots verloren. Zwangsläufig leidet unter dem Druck der Überblick. Doch in der provisionsgesteuerten Vermögensberatung ist ein Kunde, dessen Geld langfristig angelegt ist, ohnehin ein schlechter Kunde. Richtig verdient wird nur, wenn permanent umgeschichtet wird. Es ist immer wieder erstaunlich, wie vertrauensselig viele Anleger ihren Beratern Jahr für Jahr von einer Modewelle zur nächsten folgen. Solche Zwischensprints machen nur kurzatmig – die Rendite leidet.

 

  1. Gewinn ohne Risiko

 

Auch in der Geldanlage gibt es so etwas wie ein Grundgesetz. Es lautet: Niedrige Rendite – niedriges Risiko; hohe Rendite – hohes Risiko. Geldanleger, die diese Formel bei ihren Entscheidungen immer im Blick haben, können eigentlich nie auf dem falschen Fuß erwischt werden. Als Maßstab für die Risikomessung kann vor allem die aktuelle Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe dienen. Solange uns der Himmel nicht auf den Kopf fällt, liefert die Bundesanleihe ihrem Besitzer eine sichere Verzinsung. Je weiter sich das Versprechen einer Geldanlage davon nach oben entfernt, umso riskanter ist sie. Umgekehrt heißt aber ein geringer Aufschlag zum sicheren Zins nicht, dass das Angebot automatisch risikoärmer ist. Es kann auch ein Signal für den Anleger sein, dass ihm das Risiko, welches er eingehen soll, nicht angemessen vergütet wird. Wenn es also darum geht, die Angemessenheit einer Risikoprämie einzuschätzen, lautet das Motto letztlich: Nicht zu viel und nicht zu wenig ist genau richtig.

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